Neugestaltung Hauptplatz

🍩 „Vom Donut zum Krapfen mit Dirndlmarmelade!“**

Der gesamte Prozess wurde von allen Fraktionen gemeinsam mit den Gemeindebürger:innen, die sich einen neuen Hauptplatz gewünscht haben, gemeinschaftlich bestritten. Dieses Projekt bekämpft das Ortskernsterben mit folgenden Impulsen:

  1. Von der Brachfläche zur Funktionsmischung
    Durch die Neugestaltung des Platzes wurden vier brachliegenden Gebäuden neue Funktionen zugeteilt. Zwei bestehende Wohneinheiten wurden durch den Umbau zu 33 Wohneinheiten, sechs Geschäftsflächen und einer Ganztagsgastronomie umgewandelt.

  2. Maßnahmen zur Klima-Wandel-Anpassung
    Ober-Grafendorf ist die erste Gemeinde in Österreich, die ihren Hauptplatz GREENPASS® zertifizieren ließ. Die GREENPASS® Certification ist ein wissenschaftlich entwickeltes Prüfverfahren, um die klimabezogene Aufenthalts- und Lebensqualität, die Wirtschaftlichkeit sowie die Wirkung eines Projekts zu optimieren und zu bestätigen. Sie liefert den ersten international gültigen Qualitätsnachweis für die Klimaresilienz von Gebäuden, Quartieren und Freiräumen.
    Großes Augenmerk wurde auf die zu erwartenden klimatischen Veränderung der nächsten Jahrzehnte gelegt. Die Draingarden-Flächen wurden mit einer Kombination aus heimischen und/oder ökologisch wertvollen Arten bepflanzt. Elemente wie Totholz und Steine sorgen für optische Abwechslung und zusätzliche Struktur in den Beeten. Zusätzlich zur Verdunstungskühlung der Bepflanzungen kommen auch Nebeldüsen zum Einsatz, die die sommerliche Hitze erträglicher machen. Die großzügige Ausstattung mit Bäumen, Sträuchern, Stauden- und Wiesenflächen wirkt gemeinsam mit einem maximalen Einsatz unversiegelter Bereiche dem Entstehen einer innerörtlichen Hitzeinsel entgegen. Ziel bei der Gestaltung war der maximale Einsatz unversiegelter Flächen. Auch bei der Belagswahl der befestigten Flächen wurde die Anpassung an den Klimawandel berücksichtigt. Die speziell ausgewählten Pflastersteine strahlen aufgrund ihrer Materialzusammensetzung die Hitze nicht so stark ab. Die Fuß- und Radwege wurden mit Pflasterplatten in Sandbett befestigt.

  3. Mitfinanzierung von Gesundheit im Zentrum
    Die Marktgemeinde Ober-Grafendorf hat das erste Stockwerk des Genossenschaftsbaus angekauft, um das vielfach gewünschte Gesundheitszentrum direkt im Ortskern ansiedeln zu können. Dieses bietet Platz für eine Gruppenpraxis mit 3 Ordinationen sowie zusätzlich 2 – 3 Fachärzte. Die angeschlossenen Therapieräumlichkeiten können von diversen Therapeut:innen genutzt werden. Damit gelang der Gemeinde ein wichtiger Schritt zur Aufrechterhaltung der Gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung.

  4. Expertenwissen
    Damit die notwendigen Planungsarbeiten erarbeitet werden konnten, wurde im Vorfeld ein Verkehrskonzept von EM. O. Univ. Prof. DI Dr. techn. Hermann Knoflacher erstellt, welches als Grundlage für das gesamte Projekt dient. Seitens der TU Wien wurden als Subunternehmer für die Zentrumsentwicklung die Fa. archipel Architekten, Mag. Johannes Kraus und der Landschaftsplaner DI Gerhard Rennhofer beauftragt. In diesem Prozess wurden die Gemeinde-, Platz-, und Gebäudestrukturen genauestens erhoben und analysiert. Für die Verkehrsanalyse wurde das Mobilitätsverhalten der Ober-Grafendorfer Bevölkerung mittels Haushaltsfragebogen abgefragt. Ein Betriebsfragebogen wurde von den Wirtschaftsbetrieben ausgefüllt. Mittels einer elektronischen Verkehrszählung konnte der motorisierte Individualverkehr und öffentliche Verkehr erfasst werden. Weiters wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, wo alle Fraktionen sowie die Wünsche der Gemeindebürger eingebunden wurden. Gewonnen hat das das Planungsbüro schumacher.schindl.freiß.


Fazit

Auf einer Fläche, wo zuvor zwei Wohneinheiten bewohnt waren, leben nun 58 Personen. Die Bewohner:innen haben kurze Wege zum nächsten Arzt, Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und öffentliche Verkehrsmitte – das ist das Wohnen der Zukunft. Nun haben Menschen jeden Alters wieder Platz sich zu bewegen. Der Platz ist nun ein neuer Treffpunkt für die gesamte Bevölkerung und stärkt das Zusammenleben in der Gemeinde. Die Bevölkerung nimmt das Angebot im Zentrum gerne wahr und erkennt, dass ein Schanigarten am Hauptplatz gegenüber dem einen oder anderen Parkplatz, der durch das Projekt zurückgestellt wurde, einen großen Mehrwert hat. Dieses Bauprojekt ist ein positives Beispiel für die Zentrumsbelebung, Reduzierung von Flächeninanspruchnahme (Nachverdichtung) und für das Bauen mit Funktionsmischung im Zentrum. Endlich tummeln sich auch Menschen und nicht nur Autos am neuen Hauptplatz von Ober-Grafendorf.

**Viele Kleinstädte leiden unter unbelebten Stadtzentren – das Leben spielt sich am Stadtrand ab: Man spricht vom Donut-Effekt.


Beteiligte Unternehmen:

» STRABAG AG

» Alfred Trepka GmbH

» Elmer GmbH

» LN Steinteam GmbH

» Metallbau Jansch

» Zenebio GmbH

» ZIEGLER Außenanlagen GmbH

» Lumino Licht Elektrotechnik GmbH

» Miramondo Public Design GmbH

» Stausberg Stadtmöbel GmbH

» Humberg Baumscheiben Gmbh

» SIMARK GmbH & Co KG

» Künstler Jürgen Grazzi

Umgestaltung Hauptplatz:

» Landschaftsarchitektur Ingenieurbüro DI Susanna Freiß

» Ingenieurkonsulent für Kulturtechnik DI Georg Zeleny

» Ingenieurbüro Arbeitsgruppe Baum

» Anton Rath Gartengestaltung GmbH

⏳️ Chronik

2018

Planungsbeginn

  • Ge(H)staltungsdialog

  • Exkursion Hauptplatz NÖ

  • Hauptplatzplanung

  • Gastronomie Nutzungskonzept Roth Haus

  • Masterarbeit Standortmarketing

  • Zukunftsworkshop

2019

Baubeginn

2023

Fertigstellung

💶 Kostenübersicht

Gesamtkosten:

Die Gesamtkosten für den Hauptplatz und Hauptplatz Nord betragen € 2.152.642,93 abgerundet 2,2 Mio. (ohne Abzug der Förderungen).

Förderungen:

  • KIP 2020 Bundesförderung € 439.000,-

  • Stadterneuerung vom Land NÖ € 131.000,-

  • Raumordnungsförderung Land NÖ€ 30.000,-

  • Natur im Garten Förderung€ 49.070,-

Die Gesamtsumme der Förderungen beträgt sohin € 649.070,-. Für dieses Projekt wurden keine Darlehen aufgenommen.

⬇️ Projektbeschreibungen zum Hauptplatz

🌱 Greenpass Zertifizierung

Ober-Grafendorf ist die erste Gemeinde in Österreich, die ihren Hauptplatz GREENPASS® zertifizieren ließ.

ℹ️ GREENPASS GmbH
Plenergasse 1/5, 1180 Wien
0676/6301665
contact@greenpass.io
www.greenpass.io

⬇️ Bericht GREENPASS-Zertifizierung

🏅 Projektwettbewerb Dorf- und Stadterneuerung

In der Kategorie “KLIMAFITTE ORTE” wurde die Marktgemeinde Ober-Grafendorf mit dem 1. Platz ausgezeichnet.

🏅 NÖ Wohnbaupreis 2023

Beim NÖ Wohnbaupreis 2023 wurde das Projekt in der Kategorie “Sonderbauten” ausgezeichnet: https://www.noewohnbaupreis.at/obergrafendorf-sonderbau

🏅 Hauptplatz gewinnt die „Goldene Kelle“

Die „Goldene Kelle“, höchste Auszeichnung von Niederösterreich GESTALTE(N) für herausragende Baugestaltung und sensible Einfügung in das Orts- und Landschaftsbild, erging am 5. September 2023 im Vereinshaus Horn neben sieben anderen Preisträgern auch an das neue Ortszentrum Ober-Grafendorf. Das ist eine riesige Auszeichnung für uns, eine große Anerkennung für die Arbeit der letzten Jahre und auch ein Beweis, dass wir vieles richtig gemachten haben bei der Planung und Gestaltung!

v.l.n.r.: Roman Kadanka, Thomas Zeilinger, Rudolf Schöbinger, Bürgermeister Rainer Handfinger, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Ulrich Kiesl, Thomas Tauber und Walter Steinacker bei der Verleihung der Goldenen Kelle für das Ortszentrum von Ober-Grafendorf.

Ob Neubau, Umbau oder sanierter Altbau – die im Niederösterreich GESTALTE(N) Magazin präsentierten Projekte stellen stets herausragende Bauten der niederösterreichischen Baukulturlandschaft dar. Im Rahmen des Architekturwettbewerbes die „Goldene Kelle“ wählen die Leser:innen des Magazins unter den im Laufe eines Jahres vorgestellten 20 Beispielen ihre persönlichen Favoriten und küren damit die alljährlichen Gewinnerprojekte.
Zu den insgesamt acht Gewinnerprojekten zählen diesjährig auch das neue Ortszentrum Ober-Grafendorf.

Überreicht wurden die vergoldeten Trophäen von LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf. „Wir wollen das Gesicht unserer Heimat und den Charakter unserer Dörfer und Städte erhalten und immer wieder neu beleben. Mit Fingerspitzengefühl und Mut gleichzeitig, schaffen es die prämierten Projekte, Baukultur und Lebensqualität zu verbinden. Die Pflege und Vermittlung baukultureller Werte ist Teil unseres niederösterreichischen Selbstverständnisses. Mit der Verleihung der „Goldenen Kelle“ möchten wir den ausgewählten Projekten jenen Stellenwert geben, den sie verdienen“, hob Pernkopf hervor.

Da die Stadtgemeinde Horn mit zwei von insgesamt acht Gewinnerprojekten vertreten ist, fand der diesjährige Festakt im Vereinshaus Horn statt. Für ein zauberhaftes wie auch dynamisches Rahmenprogramm sorgten der niederösterreichische Nachwuchsmagier Fabian Blochberger sowie die Turnerinnen der Sportakrobatik Horn.

Informationen zum Gewinnerprojekt

Um einem aussterbenden Ortskern entgegenzuwirken, realisierte die Marktgemeinde Ober-Grafendorf gemeinsam mit der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Pielachtal eine Wohnhausanlage mit 40 Wohneinheiten, einem Gesundheitszentrum, sechs Geschäften und einem Café. Ergänzt wird das innovative neue Ortszentrum durch neue Fuß- und Radwege und einem durch die Verlegung einer Straße entstandenen Hauptplatz, der trotz stark befahrener Bundesstraße zum neuen Treffpunkt avanciert. Anstelle von Asphalt sorgen jetzt speicher- und versickerungsfähige Böden und Pflasterplatten im Sandbett für klimafitte Oberflächen sowie eine Kombination aus Grün- und Sitzflächen für Verweilmöglichkeiten. Ein beliebter Aufenthaltsort an heißen Sommertagen, ist auch die berankte Pergola mit Sprühnebel auf Knopfdruck. Die Platzgestaltung wurde so geplant, dass sie multifunktional nutzbar und adaptierbar ist.

» Eigentümer: SGP Wohnbau Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft Pielachtal

» Planung: Architekt Mag. arch. Thomas Tauber

» Freiraumplanung: DI Susanna Freiß, schumacher.schindl.freiß

» Teil-Generalunternehmer: Firma Alfred Trepka GmbH

» Genaue Projektvorstellung: https://www.noe-gestalten.at/…/ortszentrum-ober…/